Am Montag haben Sie das Haus am Stadtrand gesehen, am Mittwoch das im Zentrum, am Freitag das dritte im Nachbarort. Jetzt sitzen Sie am Tisch und wissen nicht mehr, in welchem der Garten so schön war und welches die höheren Investitionskosten aufgerufen hat. Auf einem Parkschein steht „netter Empfang“, das war es. Ein Vergleichsbogen für die Seniorenresidenz hätte das verhindert.
Ein solcher Bogen funktioniert einfach. Sie füllen für jedes Haus dieselben 30 Zeilen aus, möglichst noch vor Ort, und haben am Ende drei Spalten nebeneinander statt drei verschwommener Erinnerungen.
Die folgenden Kriterien sind nach Lage, Wohnen, Pflege, Personal, Verpflegung, Kosten und Vertrag gruppiert. Drucken Sie die Tabelle aus, nehmen Sie sie zu jeder Besichtigung mit und lassen Sie Felder ruhig offen. Auch eine offene Zeile ist ein Ergebnis, weil sie zeigt, wonach Sie noch fragen müssen.
Kurz und knapp: Ein Vergleichsbogen für Seniorenresidenzen bildet 30 Kriterien in sieben Gruppen ab und stellt drei Häuser nebeneinander. Die wichtigsten Zeilen sind nicht Ausstattung und Lage, sondern Nachtbesetzung, Personalfluktuation, der vollständige Eigenanteil und die Liste der Zusatzleistungen. Der durchschnittliche Eigenanteil im ersten Aufenthaltsjahr lag bundesweit bei 3.364 Euro im Monat und setzt sich aus 1.775 Euro Pflegeanteil, 1.068 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 521 Euro Investitionskosten zusammen (vdek, Auswertung zum Stichtag 01.07.2026). Füllen Sie den Bogen noch im Haus aus, nicht am Abend aus dem Gedächtnis.
- Dieselben Fragen an jedes Haus, sonst ist der Vergleich wertlos.
- Legen Sie vorher zwei oder drei Ausschlusskriterien fest, etwa maximale Fahrzeit oder Versorgung bis Pflegegrad 5.
- Kosten gehören vollständig in den Bogen, also Eigenanteil plus Zusatzleistungen.
- Die Zeilen zu Personal und Nachtdienst sagen mehr aus als jede Ausstattungsliste.
- Der Bogen ersetzt keinen zweiten Besuch, er strukturiert ihn.
Warum sich ein schriftlicher Vergleich auszahlt
Nach dem dritten Haus verschwimmen die Eindrücke, und meist setzt sich das Haus durch, das Sie zuletzt gesehen haben. Das ist kein Konzentrationsproblem, sondern ein bekannter Effekt. Wer in kurzer Zeit mehrere ähnliche Orte besichtigt, erinnert vor allem den letzten und den emotional stärksten Eindruck.
Ein Bogen zwingt zur Gleichbehandlung. Jedes Haus bekommt dieselben Fragen, auch das sympathische, bei dem Sie sonst nach zwanzig Minuten aufgehört hätten nachzuhaken.
Dazu kommt ein praktischer Nutzen für die Familie. Wenn drei Geschwister mitentscheiden, aber nur eines besichtigen konnte, ist ein ausgefüllter Bogen die einzige belastbare Grundlage für das Gespräch. Diskussionen über Bauchgefühle führen selten zu einer Entscheidung.
Wie füllen Sie den Bogen richtig aus?
Arbeiten Sie mit einer einfachen Skala von 0 bis 2 und schreiben Sie in jede Zeile zusätzlich ein Stichwort. Die Zahl macht den Vergleich möglich, das Stichwort erinnert Sie in zwei Wochen daran, warum Sie so bewertet haben.
- Vor der Besichtigung: Legen Sie zwei oder drei Ausschlusskriterien fest. Typisch sind maximale Fahrzeit, Versorgung bis Pflegegrad 5, Einzelzimmer oder ein geschützter Bereich bei Demenz.
- Während des Besuchs: Füllen Sie alles aus, was Sie sehen können. Notieren Sie offene Punkte als Frage, nicht als Vermutung.
- Am Ende des Besuchs: Bitten Sie um die schriftliche Preisliste und den Vertragsentwurf. Beides brauchen Sie für die Kostenzeilen.
- Direkt danach: Ergänzen Sie den Gesamteindruck in einem Satz, solange Sie noch auf dem Parkplatz stehen.
- Nach allen Besichtigungen: Legen Sie die Bögen nebeneinander und markieren Sie die Zeilen, in denen sich die Häuser wirklich unterscheiden.
Die 30 Kriterien im Vergleichsbogen
Die folgende Tabelle ist zum Ausdrucken gedacht, die drei rechten Spalten bleiben bewusst leer. Tragen Sie je Haus eine Bewertung von 0 bis 2 ein und schreiben Sie ein Stichwort dazu.
| Nr. | Kriterium | Haus A | Haus B | Haus C |
|---|---|---|---|---|
| Lage und Umfeld | ||||
| 1 | Fahrzeit von Ihrem Wohnort in Minuten | |||
| 2 | Erreichbarkeit mit Bus, Bahn und Auto, Parkplätze | |||
| 3 | Umgebung: Geschäfte, Arztpraxen, Kirche, Grünflächen | |||
| 4 | Garten, Innenhof oder Balkon frei zugänglich | |||
| Wohnen | ||||
| 5 | Zimmergröße, Zuschnitt und Tageslicht | |||
| 6 | Eigene Möbel und persönliche Gegenstände erlaubt | |||
| 7 | Eigenes Bad, bodengleiche Dusche, Haltegriffe | |||
| 8 | Einzelzimmer verfügbar oder nur Doppelzimmer | |||
| 9 | Gemeinschaftsräume vorhanden und tatsächlich genutzt | |||
| Pflege und Betreuung | ||||
| 10 | Versorgung aller Pflegegrade bis Pflegegrad 5 | |||
| 11 | Wechsel innerhalb des Hauses möglich, etwa Apartment zu Pflegestation | |||
| 12 | Nachtbesetzung: Pflegekräfte je Wohnbereich, Fachkraft dabei | |||
| 13 | Demenzkonzept, geschützter Bereich, Umgang mit Weglauftendenz | |||
| 14 | Ärztliche Versorgung: Hausarztbesuche, Fachärzte, Nachtdienst | |||
| 15 | Therapien im Haus: Physiotherapie, Logopädie, Fußpflege | |||
| Personal | ||||
| 16 | Personalfluktuation im vergangenen Jahr | |||
| 17 | Aktuell unbesetzte Stellen und Einsatz von Leihpersonal | |||
| 18 | Feste Bezugspflege: Wie viele Kräfte versorgen einen Bewohner pro Woche | |||
| 19 | Umgangston, den Sie beobachtet haben | |||
| Verpflegung | ||||
| 20 | Eigene Küche im Haus oder Anlieferung | |||
| 21 | Auswahl: mehrere Gerichte, Sonderkost, pürierte Kost | |||
| 22 | Essenszeiten flexibel, Zwischenmahlzeiten, Getränke frei verfügbar | |||
| 23 | Hilfe beim Essen und Zeit dafür | |||
| Kosten | ||||
| 24 | Gesamter Eigenanteil pro Monat in Euro | |||
| 25 | Aufteilung: Pflegeanteil, Unterkunft und Verpflegung, Investitionskosten | |||
| 26 | Schriftliche Liste aller Zusatzleistungen mit Preisen vorhanden | |||
| 27 | Letzte Entgelterhöhung und angekündigte nächste | |||
| Vertrag und Organisation | ||||
| 28 | Vertragsart und Kündigungsfristen für beide Seiten | |||
| 29 | Regelung bei Abwesenheit durch Krankenhaus oder Urlaub | |||
| 30 | Wartezeit, Aufnahmebedingungen, Probewohnen möglich | |||
Wenn ein Haus bei einer Zeile ausweicht, notieren Sie das genau so. Ein Strich in der Spalte Nachtbesetzung ist eine Information über das Haus und nicht über Ihren Bogen.
Wie werten Sie die ausgefüllten Bögen aus?
Prüfen Sie zuerst die Ausschlusskriterien, erst danach die Punktsumme. Ein Haus, das bei Pflegegrad 5 nicht weiterbetreuen kann, scheidet aus, auch wenn es sonst am besten abschneidet. Sonst steht in zwei Jahren der nächste Umzug an.
Danach zählen Sie die Punkte, zweifach für die fünf markierten Zeilen. Rechnen Sie nicht zu genau. Ein Vorsprung von zwei oder drei Punkten bedeutet wenig, ein Vorsprung von fünfzehn Punkten bedeutet viel.
Schauen Sie sich am Ende die Zeilen an, in denen alle drei Häuser schlecht abschneiden. Oft ist das ein Hinweis auf eine regionale Lage, an der sich nichts ändern lässt, etwa bei der ärztlichen Versorgung. Dann geht es nicht mehr um die Auswahl, sondern darum, wie Sie diese Lücke selbst auffangen.
Wenn zwei Häuser gleichauf liegen, entscheidet der zweite, unangemeldete Besuch. Nehmen Sie dafür nur die strittigen Zeilen mit und schauen Sie gezielt nach. Unsere Checkliste für den Rundgang hilft, den Blick zu schärfen.
Welche Kostenangaben gehören in den Bogen?
In die Kostenzeilen gehört der vollständige Eigenanteil und nicht der Preis, der im Prospekt steht. Er besteht aus dem einrichtungseinheitlichen Eigenanteil für die Pflege, den Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie den Investitionskosten.
Zur Einordnung: Bundesweit lag dieser Eigenanteil im ersten Aufenthaltsjahr bei durchschnittlich 3.364 Euro im Monat, aufgeteilt in 1.775 Euro Pflegeanteil, 1.068 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 521 Euro Investitionskosten (vdek, Auswertung zum Stichtag 01.07.2026). Zwischen den Bundesländern liegen Welten, die Spanne reicht von 2.891 Euro in Sachsen-Anhalt bis 3.761 Euro in Bremen.
| Kostenbestandteil | Bundesdurchschnitt | Was Sie im Haus erfragen |
|---|---|---|
| Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil (Pflege) | 1.775 Euro | gilt für alle Bewohner ab Pflegegrad 2 gleich |
| Unterkunft und Verpflegung | 1.068 Euro | Zimmergröße kann den Preis verändern |
| Investitionskosten | 521 Euro | je nach Land und Gebäude sehr unterschiedlich |
| Zusatzleistungen | nicht enthalten | Friseur, Fußpflege, Begleitung, Telefon, Getränke |
Was die Pflegekasse davon übernimmt, hängt am Pflegegrad. Bei vollstationärer Pflege sind das 131 Euro im Pflegegrad 1, 805 Euro im Pflegegrad 2, 1.319 Euro im Pflegegrad 3, 1.855 Euro im Pflegegrad 4 und 2.096 Euro im Pflegegrad 5 (§ 43 SGB XI, gesetze-im-internet.de, letzter Abruf am 17.09.2026).
Welche Posten typischerweise zusätzlich berechnet werden, haben wir im Beitrag zu den Zusatzkosten in der Seniorenresidenz zusammengestellt. Warum die Investitionskosten im Pflegeheim so stark schwanken, erklären wir dort ebenfalls.
Was muss beim Vertrag in den Bogen?
Drei Zeilen zum Vertrag genügen, sie entscheiden aber später über viel Ärger. Erstens die Vertragsart, zweitens die Kündigungsfristen, drittens die Regelung bei längerer Abwesenheit.
Bewohner können einen Heimvertrag spätestens am dritten Werktag eines Monats zum Ablauf desselben Monats kündigen (WBVG, gesetze-im-internet.de, letzter Abruf am 17.09.2026). Für die Einrichtung gelten deutlich engere Grenzen, sie darf nur aus wichtigem Grund kündigen. Lassen Sie sich die entsprechenden Passagen im Entwurf zeigen.
Bei Wohnstiften mit eigenem Apartment sieht der Vertrag oft anders aus als in einer klassischen Pflegeeinrichtung. Die Unterschiede und ihre Folgen beschreibt unser Vergleich von Residenzvertrag, Heimvertrag und Servicevertrag.
Fragen Sie außerdem nach der letzten Entgelterhöhung. Erhöhungen sind zulässig, müssen aber angekündigt und begründet werden. Ein Haus, das in den vergangenen Jahren mehrfach deutlich erhöht hat, wird das voraussichtlich weiter tun. Wie Sie eine Ankündigung prüfen, steht im Beitrag zur Entgelterhöhung im Heimvertrag.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Häuser sollte ich vergleichen?
Drei sind eine gute Zahl, deshalb hat der Bogen drei Spalten. Bei zwei Häusern fehlt der Maßstab, ab vier Besichtigungen in kurzer Zeit verschwimmen die Eindrücke wieder. Wenn keines passt, vergleichen Sie lieber in einer zweiten Runde weiter.
Kann ich den Vergleichsbogen auch für betreutes Wohnen nutzen?
Ja, die Gruppen Lage, Wohnen, Verpflegung und Vertrag passen genauso. Bei den Pflegezeilen ändert sich die Frage: Statt der Nachtbesetzung interessiert dann, welche Leistungen im Grundservice enthalten sind und welcher Pflegedienst ins Haus kommt.
Welche Kriterien sind die wichtigsten?
Fahrzeit, Versorgung bis zum höchsten Pflegegrad, Nachtbesetzung, Gesamtkosten inklusive Zusatzleistungen und der beobachtete Umgangston. Alles andere lässt sich eher ausgleichen. Eine zu lange Fahrzeit führt erfahrungsgemäß dazu, dass Besuche seltener werden.
Woher bekomme ich die genauen Kostenangaben?
Direkt aus dem Haus, schriftlich. Jede Einrichtung kann Ihnen den einrichtungseinheitlichen Eigenanteil, die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie die Investitionskosten nennen. Verlangen Sie zusätzlich die Liste der Zusatzleistungen mit Preisen.
Wie finde ich überhaupt drei passende Häuser in meiner Region?
Grenzen Sie zuerst über Entfernung und Versorgungsform ein, danach über die Verfügbarkeit. Auf Seniorenresidenz in der Nähe vergleichen Sie Einrichtungen in Ihrer Region und können sich eine Auswahl zusammenstellen, bevor Sie Termine vereinbaren.
Soll mein Angehöriger den Bogen mit ausfüllen?
Wenn er dazu in der Lage ist, unbedingt. Lassen Sie ihn eigene Kriterien ergänzen, etwa die Möglichkeit, ein Haustier mitzubringen oder weiter in denselben Chor zu gehen. Eine Entscheidung, die über den Kopf des Betroffenen hinweg fällt, trägt selten.
Was mache ich, wenn alle Häuser Wartelisten haben?
Lassen Sie sich auf mehreren Listen vormerken und fragen Sie regelmäßig nach. Klären Sie parallel, wie eine Übergangszeit überbrückt werden kann, etwa über Kurzzeitpflege. Behalten Sie Ihre Bögen, denn bei einem kurzfristigen Angebot müssen Sie oft innerhalb weniger Tage entscheiden.
Wie aktuell bleiben die Angaben im Bogen?
Kosten und Personalsituation ändern sich, die Angaben sind deshalb eine Momentaufnahme. Wenn zwischen Besichtigung und Einzug mehrere Monate liegen, fragen Sie die Kostenzeilen noch einmal ab. Alles andere bleibt in der Regel stabil.
Ein Vergleichsbogen für die Seniorenresidenz nimmt der Entscheidung nicht das Schwere, aber die Beliebigkeit. Wer 30 Zeilen für drei Häuser ausgefüllt hat, entscheidet nicht mehr nach dem letzten Eindruck, sondern nach dem, was er gesehen und gefragt hat. Auf Seniorenresidenz in der Nähe vergleichen Sie kostenlos passende Häuser in Ihrer Region und stellen Ihre Auswahl für die Besichtigungen zusammen.
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